Kleingartenkampagne

Kampagne für nachhaltige Sanitärsysteme in Kleingärten

Häufig gestellte Fragen

Hier haben wir versucht die uns am häufigst gestellten Fragen im Vorhinein zu beantworten. Falls Sie allerdings immer noch zu einigen Themen ratlos sind, kontaktieren sie und doch einfach.

 

Darf ich in meinen Garten Trockentoiletten einsetzen?

Kann ich meine Wasserspültoilette in eine Trockentoilette umbauen?

Wie funktioniert die Reinigung der Toilette ohne Wasser?

Riecht die Toilette nicht?

Die Toilette riecht unangenehm. Habe ich etwas nicht beachtet?

Kann ich mir eine Trockentoilette selber bauen?

Wie wird das Fäzesmaterial richtig kompostiert was ist zu beachten?

Wie bringe ich den Fäzeskompost richtig aus?

Wie wird der Urin gesammelt, was passiert bei zu viel Urin?

Ist der Einsatz von Urin unbedenklich oder ist dieser mit Hormonen belastet?

Dürfen Toilettenpapier, Windeln und Tampons in die Trockentoilette gegeben werden?

Darf ich Obst und Bioabfall in den Kompostbehälter geben, wo die Fäzes gelagert wird?

Muss der Ventilator ständig laufen oder kann ich ihn zwischenzeitlich abschalten?

Wie hoch sind die laufenden Kosten dieser Trockentoilette?

Darf ich Trockentoiletten in meinem Kleingarten einsetzen?

Hier ist eine übersichtliche Darstellung der aktuellen Gesetzeslage zu ihrer jeweiligen Region.

Im Prinzip ist das Besitzen von Trockentoiletten erwünscht und wird sogar gefördert. In Baden-Württemberg dürfen sogar nur Trockentoiletten in Kleingärten benutzt werden. Abflusslose Sammelgruben und Chemietoiletten sind verboten.

In Berliner Trinkwasserschutzgebieten ist das Aufstellen von Trockentoiletten untersagt, da man die Gefahr sehe das Fäzeskompost das Grundwasser gefährden könne. In meinen Augen sollten gerade in Trinkwasserschutzgebieten Trockentoiletten eingesetzt werden, weil dort keinerlei Berührung mit Wasser erfolgt und das System die Gewässer schont, solange ein Mindestabstand zum Grundwasser vorhanden ist. Ansonsten würde ich keinerlei Anlage von Toiletten empfehlen.

Kann ich meine Wasserspültoilette in eine Trockentoilette umbauen?

Im Prinzip sind es zwei völlig verschiedene Systeme. Die Wasserspültoilette ist eine End of Pipe Lösung, bei dem Wasser als Transportmedium für Fäkalien dient und anschließend in ein Abwassernetz oder in einer Sammelgrube gespült wird. Das Trockentrenntoilettenprinzip benötigt ein Zweikammersystem. Es empfiehlt sich eine Trockentrenntoilette zu installieren und das bestehende Leitungssystem für das anfallende Grauwasser zu benutzen.

Somit hat man eine geringere und geruchlose Menge an Abwasser, welches in einem kostengünstigen Tank gelagert werden kann. Dieser muss nicht den strikten Din-Normen wie bei Auffangbehählter für Fäkalien entsprechen. Somit ist das auffangen vom reinen Grauwasser wesentlich kostengünstiger.

Wie funktioniert die Reinigung der Toilette ohne Wasser?

Die Reinigung verläuft wie bei jeder anderen Toilette auch. Man nimmt ein wenig Wasser und natürliche Zitronensäure (um die Vorkompostierung nicht zu gefährden) und reinigt gezielt mit einer Bürste. Generell benötigt der Nutzer nur 0,5 Liter zur gezielten Reinigung. Dies ist für den Kompostprozess nicht weiter schlimm. Nur bitte keine größeren Mengen Wasser zur Reinigung benutzen, da sonst ein zu feuchtes Habitat entsteht und Geruchsentwicklung aufgrund von Fäulnisprozessen entstehen kann. Es empfiehlt sich eine Reinigung mit einem feuchten Lappen.

Riecht die Toilette nicht?

Durch die Separation und dem Wegfall von Urin und Wasser ist die Fäzes schon von Beginn an relativ trocken. Es fehlt der feuchte Lebensraum für die Anreicherung von Bakterien und beginnende anaerobe Fäulnisbildung. Das zusätzlich dazugegebene Strukturmaterial bindet die Feuchtigkeit und beschleunigt die Vorkompostierung. Ein Unterdrucksystem durch die Entlüftung und eine zusätzliche Ventilation sorgen für eine absolute Geruchsfreiheit, und beschleunigen den Trocknungsprozess und den Abbau der Biomasse.

Ein Duftspray für den Toilettenraum sorgt weiterhin für einen wohlriechenden Toilettengang.

Die Toilette riecht unangenehm. Habe ich etwas nicht beachtet?

Wenn die Toilette anfängt zu riechen, deutet das auf ein zu saures Milieu im Toilettenbehälter hin und es kann zu anaeroben Prozessen kommen.

  1. Geben Sie einfach mehr Rindenmulch, Schreddermaterial, Holzasche oder Gesteinsmehl hinzu, um eine bessere Bindung der Fäzes zu ermöglichen und anschließend eine trockene feinkörnige Struktur des Produktes zu erhalten.
  2. Erhöhen Sie die Ventilatorleistung – An besonders schwülen und warmen Tagen, kann es durch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit zu mehr Geruch kommen. Säubern Sie nach längerer Benutzung gegebenenfalls die Fliegengitter um einen unproblematische Abluft zu garantieren.
  3. Wenn diese Maßnahmen nicht helfen ist eine Falschnutzung bzw. Falschinstallation nicht ausgeschlossen. Wir helfen Ihnen bei ihren individuellen Problemen gerne weiter.

 

Kann ich mir eine Trockentoilette selber bauen?

Mit dem Separett Privy-Set kann jeder Tüftler die Trockentoilette nach beliebigem Design zusammenstellen. Es ist darauf zu achten, dass das Zweikammersystem eingehalten wird und ein entsprechender Regenschutz und eine gute Installation der Abluftrohre erfolgt. Ansonsten kennt die Trockentoilette keine Designvorschriften.

Hier einige Beispiele wie flexibel diese Technik weltweit angewendet wird

Achten Sie aber auf die richtige Installation des Abluftrohres mit entsprechendem Fliegengitter und auf eine fachgerechte Installation der Urinableitung.

Wenn sie Probleme beim Einbau haben, schicken sie uns doch einfach eine E-Mail und wir beraten sie gerne.

 

 

Wie wird das Fäzesmaterial richtig kompostiert was ist zu beachten?

Aufgrund der Handhabung mit menschlichen Fäzes ist das Ausgangsmaterial hygienisch bedenklich und muss unbedingt vor der Ausbringung fachgerecht und je nach Kompostverfahren zwischen drei Monaten und ein halbes Jahr kompostiert werden.

Ziele:

  1. Abtötung von Krankheitskeimen
  2. Volumen reduzieren
  3. Nährstoffe erhalten
  4. Komposterde als Bodenverbesserer und Düngemittel zu gewinnen
  5. Einen natürlichen Kreislauf zu schließen

Phasen:

  1. Vorkompostierung

Durch die strikte Trennung von Urin und Fäzes benötigt man zu Beginn im Vergleich zu der Komposttoilette kein, bzw. sehr wenig Strukturmaterial. Es dient vor allem als Sichtschutz, zur Geruchsbindung und als Bindematerial. Die Toilettenbehälter besitzen ein Fassungsvermögen von 25L und haben einen kompostierbaren Beutel. Wenn dieser voll ist kommt er am Besten in einem Thermokomposter, wo das getrocknete Fäzesmaterial zusammen mit Holzasche, Schreddermaterial, Gartenerde und Laub kompostiert wird. Die kompostierbaren Materialien und ihre Eigenschaften werden hier aufgeführt.

Fertiger hygienischer Fäzeskompost aus einer Trockentrenntoilette

2. Nachkompostierung

Der Thermokomposter empfiehlt sich durch den besonderen Schutz vor Vernässung, Austrocknung, Wind, Nagetieren und geringen Flächenverbrauch. In dem geschützten Zustand findet eine schnell ablaufende Heißkompostierung mit einer Abbau-, Umbau, -und Aufbauphase statt. Dabei können im Thermokomposter in wenigen Tagen 50-70 Grad entstehen. Diese Temperaturen töten die für den Menschen gefährlichen pathogenen Keime ab. Nach ca. 4Wochen besitzt der Kompost eine krümelige Struktur und die Temperaturen gehen auf 35 Grad zurück. Nach weiteren 4-6 Wochen kühlt sich der Kompost auf die Außentemperatur ab und es entsteht nährstoffreiche und pflanzenverträgliche Komposterde. Der Kompost wird im Frühjahr und Herbst ausgebracht und muss in der Vegetationsruhe bis zur Verwendung zwischengelagert werden, da die Pflanzen in dieser Zeit die vorhandenen Nährstoffe nicht aufnehmen können. Der Kompost verliert immer mehr die Düngewirkung und wird stattdessen immer weiter humifiziert, sodass er selber ein Humusboden wird, welcher als Bodenverbesserer ausgebracht werden kann.

Die Thermokompostierung ist vor allem für die schnelle Hygienisierung des Kompostes wichtig und angebracht. Nach den ersten 1-2 Wochen sollte aber aufgrund der großen Hitze der Kompost einmal innerhalb des Behälters umgesetzt werden, da sonst auch wichtige Mikroorganismen abgetötet werden können und der Kompost Nährstoffe verliert.

Wichtig:

Der Kompost darf mithilfe von Zuschlagstoffen nur in einem einmaligen einzelnen Arbeitsgang aufgesetzt werden. Ständige Einbringung von neuem Material führt zu einem verlangsamten Kompostprozess und stört die Heißkompostierung erheblich. Es ist möglich, dass der Kompostprozess bei mehrfacher Unterbrechung in die langsame Rotte oder sogar in den unerwünschten Fäulnisprozess übertritt.

 

 

Wie bringe ich den Fäzeskompost richtig aus?

Der fertige Fäzeskompost besitzt deutlich mehr Nährstoffe als herkömmlicher konventioneller Gartenkompost. Für Kräuter, Gemüse, Sträucher und Obstgehölze reicht eine Ausbringungsmenge von 2-4 Litern pro Quadratmeter völlig aus. Das entspricht in etwa 2-4mm pro m². Beachten Sie dabei, dass sie ihren herkömmlichen Dünger reduzieren müssen, da sie ansonsten einen Nährstoffüberfluss haben.

Für Rasen genügen 2-3 l pro m².

Stark zehrende Pflanzen wie Lauch, Sellerie, Blumen und Rosenkohl benötigen während der Wachstumsphase zusätzlich eine zweite Kompostzugabe.

Es bietet sich an den Kompost vor der Ausbringung für Rasenflächen und Blumenbeete zu sieben. Der Kompost wird im Winter/Frühjahr vor Beginn der Vegetationsperiode und im Spätherbst ausgebracht. Dabei ist darauf zu achten das dieser nicht untergraben, sondern nur ganz leicht in die Bodenoberfläche eingeharkt wird. Denn dort befindet sich der Pflanzenwurzelraum, wo die Nährstoffe von der Pflanze am Besten aufgenommen werden können. Der dunkle Kompost bewirkt eine schnellere Erwärmung des Bodens, sodass besonders wärme liebende Pflanzen wie Möhren schneller wachsen. Des Weiteren sorgt der lockere Kompostboden für eine lockere Struktur des Gartenbodens und verhindert eine Verschlämmung und Auswaschung der Bodenschicht bei starken Regenfällen.

 

Wie wird der Urin gesammelt, was passiert bei zu viel Urin?

Der Urin wird im vorderen Teil der Toilette aufgefangen und in einem je nach Nutzungsfrequenz unterschiedlich großen Behälter aufgefangen. Eigener unbedenklicher Urin kann bereits frisch mit Wasser im Verhältnis 1:8 auf dem Boden ausgebracht und ist damit ein hervorragender Flüssigdünger mit hohem Phosphatanteil.

Dabei wird der Flüssigdünger behutsam direkt auf den Boden ausgebracht und anschließend eingeharkt. Eine direkte Ausbringung ist besonders bei frisch zu verzehrenden Obst (Erdebeere), Gemüse (Salat) und Kräutern zu vermeiden. Der frühe Morgen und Spätabend eignen sich am Besten den Urin aufzubringen, da heißer Boden und direkte Sonneneinstrahlung den Urin kristallisieren lassen und Ammoniak entsteht. Für den Kleingarten reicht eine Sprühkopfgießkanne völlig aus um den Urin fachgerecht auszubringen.

Bei erhöhten Mengen Urin kann eine längere Lagerung erfolgen und gezielt im Frühjahr ausgebracht werden. Wichtig zur hygiensierung ist nämlich eine hohe UV-Strahlung, welche sich nur auf vegetationslosen Boden ergibt. Bei sehr hohen Mengen wird der Urin von uns abgeholt oder an zentralen gemeinschaftlichen Sammelplätzen gebracht.

 

 

Ist der Einsatz von Urin unbedenklich oder ist dieser mit Hormonen belastet?

Die Lösung ist, dass man den Urin lagert damit er hygienisiert wird. Gesammelter Urin kann Krankheitskeime enthalten, entweder von kranken Personen oder durch die Kontaminierung mit Fäkalien. Die einfachste Möglichkeit, Urin zu hygienisieren, ist, ihn über mehrere Monate hinweg zu lagern. Dabei ist die Lagertemperatur entscheidend. Tests ergaben, dass 6 Monate bei 20 °C ausreichend sind, um einen hygienisch einwandfreien Urin zu gewährleisten. Da es sich meist jedoch um familiären oder ihren eigenen Urin handelt kann auch frischer steriler Urin mit Wasser verdünnt ausgebracht werden.

1 Liter Urin Inhaltsstoffe
pH- Wert 5,0-6,4
Stickstoff 7,1g
Phosphat 0,7g
Kalium 1,9g
Magnesium 79 mg
Calcium 196mg
Natriumchlorid 5,8g
Blei 1 Mikrogramm
Cadium 1 Mikrogramm
Chrom 7 Mikrogramm
Kupfer 67 Mikrogramm
Nickel 5 Mikrogramm
Quecksilber 1 Mikrogramm
Zink 30 Mikrogramm
Blau > wichtige Makronährstoffe für PflanzenGrün > Mikronährstoffe

 

Dürfen Toilettenpapier, Windeln und Tampons in die Trockentoilette gegeben werden?

Toilettenpapier ist ein guter Kohlenstofflieferant und gibt dem vorkompostierten Material die nötige Volumina und entsprechenden Porenraum. Die aerobe Zersetzung wird beschleunigt. Jedoch sollte darauf geachtet werden biologisch abbaubares Toilettenpapier zu nutzen, da sonst Reste vom Toilettenpapier noch nach einem halben Jahr im Kompost sichtbar sind. Zellulose ist für die Kompostmiete nicht weiter schlimm, für die Optik bietet es sich aber an Recyclingpapier zu nutzen.

Tampons und Windel sind noch nach 1-2 Jahren im Kompost sichtbar. Der Einsatz hat keine Auswirkungen auf den Kompostprozess. Es wäre aber wünschenswert diese in einem separaten Behälter aufzufangen. Beziehungsweise den Kompsot vor Ausbringung auf das Feld gründlich aussieben.

 

Darf ich Obst und Bioabfall in den Kompostbehälter geben, wo die Fäzes gelagert wird?

Generell ist davon abzuraten. Da die Obstschalen oftmals mit organischen Chemikalien behandelt sind, gefährden diese die biologische Kompostmiete und wirken hemmend auf den eigentlichen Kompostprozess. Des Weiteren können sich Fruchtfliegen in der Kompostmiete ansiedeln und vermehren, welches ebenfalls nicht erwünscht ist. Lagern Sie die Obstschalen auf einem separaten, meist schon vorhanden Gartenkompost, oder geben Sie die Schalen in eine Biotonne.

 

Muss der Ventilator ständig laufen oder kann ich ihn zwischenzeitlich abschalten?

Solange die Toilette nicht unangenehm riecht, können Sie den Ventilator ausgeschaltet lassen. Der Ventilator dient nur als zusätzliche Option um die Entlüftung zu beschleunigen und den Trocknungsprozess zu unterstützen. Wenn Sie sich längere Zeit nicht in der Laube aufhalten können Sie ihn gänzlich abschalten. Bei häufiger Frequentierung würde ich persönlich empfehlen den Ventilator anzulassen. Da häufiges Ein- und Ausschalten Strom frisst.

 

Wie hoch sind die laufenden Kosten dieser Trockentoilette?

Die Trockentrenntoilette hat gegenüber einer Komposttoilette ein erheblichen Vorteil: Sie benötigt kein Strukturmaterial zur Bindung der Flüssigkeiten, da Urin und Fäzes von Beginn an getrennt werden und somit deutlich trockeneres Fäzesmaterial gelagert wird. Dadurch sind die Anschaffungskosten von Bindematerial deutlich geringer und wird einzig für den anschließenden Kompostprozess benötigt.

Insgesamt benötigen Sie kompostierbare Beutel (25L), Recyclingtoilettenpapier und beliebiges Strukturmaterial siehe Liste.

Die laufenden Kosten sind natürlich auch von der Personenanzahl- und Dauer abhängig die Ihre Trockentrenntoilette benutzen. Jedoch benötigt man pro Jahr meist nicht mehr als 35€. Die ersten 10 Kompostbeutel sind im Startpaket zusammen mit dem Strukturmaterial enthalten. Sodass 250 Liter Fassungsvermögen durchaus für mehrere Jahre reichen kann. Damit ist das Toilettensystem günstiger als eine Wasserspültoilette. Da neben dem Toilettenpapier noch die Abholungsgebühren, oder die monatlichen Anschlussgebühren und Abwasserkosten pro m³ anfallen.

Für den Kompost können sie bestimmte Mikroorganismen als Starter einsetzen und ansonsten besitzen Sie meist perfektes Kompostmaterial in ihrem Garten. Wenn dies nicht das richtige Strukturmaterial ist, können Sie diese Materialien im Gartenbaumarkt oder bei uns erwerben.

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